Wenn die Radreise zu radfahren und reisen wird.

Ich glaube jetzt hab ich es geschafft. Ich glaube jetzt bin ich endlich da, wo ich schon seit einigen Tagen (wenn nicht Wochen) geglaubte habe zu sein: ich bin entschleunigt. Ich habe mir gerade überlegt wie ich Euch erklären soll, wie ich meine Strecke plane und bin dabei drauf gekommen, dass es sich generell grundsätzlich geändert hat, seit ich losgefahren bin. In Sizilien war ich in den ersten Tagen fix davon überzeugt, dass es sich nie und nimmer ausgehen wird in 5-6 Wochen nach Frankreich zu fahren und habe mir schon den Kopf darüber zerbrochen, wann und wo ich denn etwas auslassen soll und in den Zug einsteigen soll… wohingegen ich jetzt ständig noch irgendwelche “Specials” einplane, weil ich ja noch so viel Zeit habe:-) So bin ich also am Anfang einfach der Küste nach, immer mit dem Ziel so viele Kilometer wie möglich zu machen um ja weiter zu kommen und irgendwann wurde mir aber das Autogewusel entlang der Küste zu wild und ich eigentlich nur mehr getrieben vom Gedanken Ruhe zu finden. Ihr könnt Euch erinnern – nach Ostia hab ich beschlossen mich in Richtung Landesinnere zu orientieren. Ab dem Zeitpunkt hat eigentlich hauptsächlich das Wetter meine Route und meine Pausen diktiert. Es war etwas durchwachsen in den letzten 10 Tagen würde ich sagen. Und es ist immer noch das Wetter, das sehr stark dafür verantwortlich ist, wie weit ich komme und welchen meiner A/B/C/D Pläne des Tages ich umsetze. Aber es ist auch noch etwas anderes dazu gekommen: erstens reise ich jetzt mehr – das heißt ich bleibe auch mal länger wo sitzen, gehe mir wieder mal was anschauen, verbringe Zeit an Orten die mir gefallen – und zweitens fahre ich mehr Rad. Das mag seltsam klingen, ist aber so. Also ich sitze nicht mehr am Rad, als auch schon, aber ich habe in den letzten Tagen Strecken wesentlich bewusster danach gewählt, wo es schön ist radzufahren (soviel davon würde ich gerne mal wieder mit dem Rennrad abfahren), als danach wie ich am schnellsten von A nach B komme. Der angenehme “Side-Effect” dabei ist, dass ich auf vielen wunderschönen kleinen toskanischen Straßerln unterwegs war und sehr oft für lange Strecken kein Auto gesehen hab. Und der letzte Faktor, der schlußendlich bestimmt wann ich wie und wo lande, sind die Unterkünfte. Campingplätze gibt es ja nicht viele in der Toskana (abgesehen von der Küste), aber ich habe durch ein wenig Glück ein paar wunderschöne Agricampeggios entdeckt, die meistens an absolut untouristischen Orten waren (und bei weiten nicht so tier-lärmend und touristisch wie der Erste) und auch wieder einmal bei einem warmshower Gastgeber geschlafen, der mir einen traumhaften Zeltplatz zur Verfügung gestellt hat (Mille Grazie Sergio & Family!!). Bevor ich mich in ein paar lustigen Details verliere zuerst einmal ein paar Toskana-Impressionen: enjoy!

So nun aber zur Strecke und vielleicht ein paar lustigen Gschichteln am Rande. Ich bin also nach diesem Regen-Abbruch weitergefahren und hab es schlussendlich nach einigen Höhenmetern nach Massa Marittima geschafft. Da wollte ich immer schon hin. Ich glaub einfach nur, weil so viele das kennen und ich nicht. Ist auch schön da. Bin dann aber noch weiter gefahren, weil musste ja irgendwo mein Zelt aufstellen. Und so bin ich nach Tatti gekommen. Tatti ist mein absolutes Toskana Highlight. Nach Tatti würde ich sofort wieder und da wäre ich auch geblieben, wenn ich nicht für den nächsten Abend schon mit Sergio (von warmshowers) vereinbart hätte, das ich bei seiner Familie übernachte. Tatti ist mini, hat einen mitteralterlichen Kern, viele alte, aber auch viele junge Italiener (“Zugezogene”) und eine ganz kleine, bunt-gemischte Aussteigergemeinschaft. Der Campingplatz war mitten in einem Hang mit Olivenbäumen, mit Blick über das halbe Land. Und das großartigste war: eine vollkommen ausgestattete Outdoorküche. Genial. Tatti war aber auch ein richtiges Dorf, mit überraschend stylischem Restaurant (auch dem einzigen) und hat trotz der Expats den Dorfcharakter nicht verloren. So wurde ich zwei Stunden nach meiner Ankunft beim Restaurant (das ich aufgrund von Bierdurscht und Wlanlust aufgesucht habe) von einer ganzen Sippe Holländer und Italienern mit “Ah – Du bist die, die mit dem Rad fährt” begrüßt. Und so schade, dass ich nicht schon am Abend davor dagewesen wäre, da hätte es ein riesen Fest gegeben, etc. Am nächsten Morgen wurde ich vom nächsten Unbekannten mitten im Dorf begrüßt – ob ich die mit dem Rad sei und ob ich Elsa nicht schon kennengelernt habe – die würde auch immer mit dem Rad reisen… Es war einfach großartig.
Von Tatti bin ich dann weitergefahren nach Casole d’Elsa und habe wie gesagt bei warmshower Gastgebern übernachtet. Sergio und Martine (ich hoffe ich habe die Namen alle richtig) haben drei tolle Kinder: Rodriguez (7 Monate), Zaira (2 Jahre) und Freesia (wird demnächst 7). Ich hab auf Italienisch vorgelesen, und nachdem ich ja kein Italienisch kann, war das sicher sehr lustig. Muss aber sagen, ich hab mindestens zehn neue Wörter gelernt – vor allem Viecherbezeichnungen (total nützlich):-)) Und von dort bin ich dann ganz gemütlich nach Siena getuckelt (an jedem Tag war übrigens irgendwann irgendwo irgendwie Regen dabei), durch Siena spaziert und habe mich ausgeruht. Und dann quer durchs Chianti. Von Siena über Fonterutoli (Dad – ein Foto vom Castello für Dich!) und Castellina nach Greve und über den schlimmsten Hügeln von allen nach Romita. An dem Tag bin ich zum ersten mal eingegangen. Das liegt daran, dass ich schon so gewohnt bin in jedem Dorf einen kleinen Minimarkt oder zumindest einen Obststand zu finden. Gibt es aber nicht in der Toskana (zu aufgräumt) – und wenn, dann haben sie zu, gerade dann wann ich vorbei fahre. Fazit – mit zu wenig Wasser ohne Essen gehen toskanische Hügel nicht mehr so leicht. Dafür war der nächste Aggricampeggio toll. Wieder kleine Terassen in einem Olivenbaumhügel mit Aussicht und sogar mit Swimmingpool. Mein Ziel war klar: ein Tag Pause am Pool. Naja, es ist ein Tag Pause im Zelt geworden. Hat ununterbrochen geregnet. Halt – nein – zwei Stunden Regenpause am Nachmittag, die ich genutzt habe um in das 2km entfernte Romita zu spazieren und den einzigen Laden aufzusuchen, den es gibt: Tante Emma Laden mit Café und Bar in einem. Großartig. Ich war allein mit der Besitzerin am Kaffee trinken und lesen für ca 10 Minuten bis sich eine 9er Gruppe Männern auf das After-Work-Bier eingefunden hat und ich nicht mehr um das obligatorische Bier gekommen bin. War sehr lustig. So nun aber die Bilder dazu.

Vorgestern hatte ich dann genug vom Regen und bin die 100km ans Meer gefahren (natürlich mit Regen unterwegs). Und habe mich mit einem Abendessen bei Sonnenuntergang am Meer belohnt. Gestern war Lucca dran und heute – hilfe es geht so schnell – bin ich schon an der Ligurischen Küste. Für die nächsten Tage stehen die Cinque Terre am Programm. Viele Höhenmeter. Ich freu mich schon!

Zig-zagging northwards

So the “forced” (rain) break at Lago Bolsena in Capodimonte was quite relaxing. I pretty much ended up visiting every bar (2 out of 3) and restaurant (1 out of 1) open and available. After a super stormy night with little sleep (my tent and I were not sure if we should find the many lightnings romantic or rather frightening) I was not too sad to leave and make my way into one of the most touristy regions of Italy: Tuscany. My plan was to ride to Sarteano – only because that was the only town with a camping place I could reach within a day. It was Friday and the first (and so far only day) I had my phone on. And guess what – I got a phone call:-) I will spare you the details, but to cut a long story short: instead of riding another 20 km I decided to ride another 60 km (on top of the 40 that I had done) to end up in Umbria, rather than in Tuscany. I made my way to a lovely “refugio” in the hills above Perugia (a region which I strongly combine with finishing my first studies and spending an awesome week with friends) being welcomed by friends in a place filled with love and peacefulness (yes that does sound cheesy, but it is so true). Anna and Lorenz: mille grazie! There is a picture of the secret road and two of the great views from this refugio (Perugia in the background). Besides finding a perfet spot to chill (in German: “um die Seele baumeln zu lassen”) I learned how to find wild-grown asparagus (so good!) and I saw my first porcupine (also leo.dict sagt mir hier auch “hedgehog” – aber meines Wissens nach ist das ein Igel, und ich mein wirklich ein Stachelschwein!!) live (huge).

After two very cosy evenings in Umbria I decided to continue in order to hit one of the other many places on my list: Massa Marittima. Well. I didn’t make it. Not yet. Yesterday, I stopped earlier than I had to, because I found this great organic farm that offered camping as well. What a lovely place and incredible how noisy animals can be. No manners. I still prefer it over the busy roads and the roaring motercycles, but it was a night with little sleep (OMG – never in the world sleep in a place with 2 or 3 peacocks: they are worse than the accumulation of all the dogs, sheep, goats and pigs, that were around my tent). Had a very nice dinner there though. Maria – all the animal pix are for you!!

So after having passed Montepulciano yesterday, I passed Pienza and Montalcino today and now had to stop in the middle of nowhere (Paganico) because I had been riding in rain for too long and was soaked (yes, still no rain pants). I will share some picutres of the first half of the day though (Tuscany without the rain and the last one from Lago di Bolsena):

By the way – making my way up north also makes me witness some changes along the way. Like the price of a coffee trippeling (from 0.30€ to 1€) and the price of camping space doubling (from 10€ to 20€ for one person and one tent). Also the honking got a lot less (and not as smooth anymore, but more like the Austrian-honking-version) and since I passed Rome, also the size of the cars has changed drastically: now they are big again (I still see my favourite Fiat Panda in turquoise at least once a day, but the average car size is normal or to big, not made for tiny Italian hill towns). On top of that, ever since I crossed the “borders” of Tuscany I have crossed a few other cycling-travellers (and almost none before). They only seem to go the “other way” though and most of them have 1-2 bags, none of the ever carried a tent and I therefore guess their trips are rather short (or way more exclusive than mine). Ah – and one other very important thing that has changed (and that I already miss a little): “crossing” road-cyclist down south was always connected with them raising one hand of the handle bar and yelling a loud “CIAO” across the street, followed by a “thumbs up”. Now unfortunately it is rare they say anything at all (I blame it on “them” being tourists rather than Italian:-)).
Talk to you soon! Eva fährt weiter….