Ab jetzt der Bonus-Track: >5000

 

Tja, ich habe mal in meiner ganzen “Nicht-Planung” die Kilometer für meinen Trip überschlagen und bin auf ca. 5000km gekommen. Gut, damit wäre ich jetzt quasi durch, das heißt ich komme nach Hause. Nein, nein, keine Sorge – so läuft das nicht. Ab jetzt gibts den “Bonus Track”:-)) Also kurzes Statusupdate – wir stehen bei 5183km und ich habe meine erste Nacht in Estland hinter mir: mittelgroßer Privatgarten mit Bäumen, Küche, Dusche/WC und drei kleinen Zelten. A Traum!

Aber zurück zum Anfang – ich war ja eigentlich noch in Lettland. Und weil es diesmal soooo viel zu erzählen gibt, werde ich es in ein paar Themenblöcke zusammenfassen.

Essen:
Jajajajaaaa – das kommt an erster Stelle. Ich werde ja bereits seit Polen verfolgt von geräuchertem Fisch – “Zivis” auf Lettisch, wenn ich richtig liege. Den mag ich sehr gern, aber irgendwie konnte ich mich erst in Kolka dazu durchringen bei einem der unzähligen Standeln, die es entlang der ganzen Küste gibt, einzukaufen. Leider mit Hunger, also: viel zu viel gekauft und somit auch gleich wieder den Räucherfischhunger für die nächsten zehn Jahre gestillt (oder halt bis zum Nächsten Weihnachten). Auf jeden Fall – die Makrele war ausgezeichnet (und auch der einzige Fisch, den ich gekannt habe). Dann – wie mir auch Lonely Planet schon verraten hat: die Letten sind ganz fleißige Beerensammler. Ist ja auch nicht schwierig, es “wimmelt” ja quasi von Beeren. In Litauen habe ich zum Beispiel zum ersten Mal wilde Ribisel gesehen – einfach so am Strand. Und so bin ich also eines Tages, als mich das Radelfahren eh nicht soooo gefreut hat, mal schnell rechts abgebogen, in den erstbesten Waldweg und habe Heidelbeeren gebrockt. Da muss man gar nicht suchen oder so. Man geht einfach in den Wald – der ganze Boden ist komplett voll mit Heidelbeeren, sovielkannmangarnichtessen Heidelbeeren!!! Echt. Und am Sonntagabend und am Montag zum Frühstück hats dann in Riga Heidelbeertatscherl (oder -datschi oder Moosbeernocken) für meine Eltern (und mich!!) gegeben. Mhhhhhh. Und weil die Letten nicht nur ihre Beeren schön präsentiert in Bechern anpreisen, sondern es auch picobello geputzte Eierschwammerl zu erwerben gibt, habe ich da auch gleich noch zugeschlagen. Die Eierschwammerl habe ich dann aber nicht geteilt, sondern schön alleine verputzt beim “wild campen” am Strand. Auch mmmhhhhh. Und dann in Riga, da bin ich ja verwöhnt worden und wir sind eigentlich nur gut essengegangen, fantastische Abwechslung zum einfachen Campingessen…

Architektur/ trautes Heim:
Generell sieht man viele nette, bunte und weniger bunte Holzhäuser, ein paar Ziegelhäuser und hin und wieder Backsteingebäude – sehr vereinfacht dargestellt. Riga, auf jeden Fall, muss geboomt haben zur Jungendstilzeit und so habe ich mir mit meinen Parentas die volle Dosis gegeben und viele schön, bunte, wunderschön-restaurierte und zum Teil sehr überladende Fassaden bestaunt. In Jurmala (quasi die “Beachtown” vor Riga, relativ voll mit russischem Volk und nicht wenigen oligarchischen Protzbauten) gibts dann den Jungendstil noch in Holzhausform. Sehr schön, da hätt ich mir schon so ein “Sommerhäuserl” kaufen mögen;-)
So – nun aber zu einer echten lettischen Leidenschaft (ich glaub ich kann auch sagen, dass es ebenso für Litauen zählt): dem garteln! Ich habe Euch doch von den Rasenmäher Tiraden in Brandenburg erzählt – Kindergarten! Die Lettischen Gärten sind so schön und der Rasen so perfekt, ich glaube da hat jede Familie einen Rasenmähertraktor (gut, das ist vielleicht leicht übertrieben). Aber noch viel wichtiger sind die Blumen. Soooooo viele schöne Blumenbeete! Egal wie schick das Haus ist, oder ob es sich um einen einfachen Schuppen handelt – rundherum gibts es immer mit viel Liebe angelegte Blumenarrangements.

Lifestyle:
Tja was soll ich sagen – auch ich war ENDLICH in der Ostsee. Ich habe allerdings etwas geschummelt: ab der Bucht von Riga ist es so flach, dass man eh nur ins Wasser waten kann – mit schwimmen ist da nix. Das heißt auch, dass das Wasser gar nicht kalt ist, sondern irgendwo zwischen 17 und 19 Grad hat. Mein “wild campen” am Strand (respektive direkt hinter der Stranddüne) war auch gar nicht so wild, weil das nämlich Nationalsport zu sein scheint am Wochenende. Ich war also alles andere als alleine und rund um mich haben die BBQs und Feuerstellen geglüht. Und etwas wofür der hohe Norden ja bekannt ist – die Saunas – hab ich bis jetzt nur einmal angetroffen, dafür war das umso lässiger. Bei einem Strandspaziergang in Kolka ist mir ein kleiner LKW mitten im Wald, direkt am Strand aufgefallen. Bei genauerem Betrachten habe ich dann auch die kleine Holzterrasse, die quasi an die Ladefläche dran gebaut war und direkt zum Strand gegangen ist, entdeckt. Nachdem ich dann noch den Generator gehört habe und plötzlich zwei Menschen in Handtüchern gewickelt herumspaziert sind, war alles klar: eine LKWTerassenWaldStrandSauna. Wie cool!

Natur:
So ich habe es endlich geschafft – bin in der Früh aufgestanden und habe mir den Sonnenaufgang gegeben. No words – schauts Euch die Bilder an.
Und Natur Nummer zwei ist für den Fuchs: der war so frech und hat uns beim Lagerfeuer einen Besuch abgestattet. Mitten in der Nacht, gar nicht scheu, ist er nicht weit von uns auf und ab spaziert.

Leute (Radler/Reisende/Gastgeber):
So – und nach dem Essen, ein zweites Lieblingsthema, dieses zum Schluß: die Begegnungen, die meine Reise so reich werden lassen. Zu allererst muss ich wohl Anke und Markus erwähnen – niemanden habe ich so oft getroffen. Beim vierten Mal hat mich Markus mit unzähligen “Das glaub ich nicht. Die Eva.” begrüßt und beim fünften Mal haben wir uns gar nicht mehr gewundert:-) Wir hatten für einige Tage die selbe Route, aber sie war unterschiedlich aufgeteilt, wir hatten unterschiedliche Startzeiten und Endpunkte und trotzdem haben wir uns immer wieder mal getroffen: beim Frühstück am Camping, auf einer Brücke in Riga, in der Altstadt von Riga, bei einem Supermarkt unterwegs. Es war jedes Mal ein schönes Wiedersehen! Anke und Markus sind eben auch mit dem Rad unterwegs, allerdings eher “auf Urlaub” und ohne den mehrmonatigen Reiseluxus wie ich. Und so wie den beiden bin ich noch einigen anderen germanischen Radlern begegnet (allerdings niemanden so oft und ich hoffe ich habe mir die Eckdaten richtig gemerkt): einer fünfköpfigen Familie aus Halle, oder Andreas einem Lehrer aus Halle (in 5 oder 7 Wochen von Tallinn nach Berlin) und natürlich auch Lothar. Lothar war deshalb ein Highlight, weil ich nach kurzer Zeit drauf gekommen bin, dass er weiter nördlich Tom – “meinen” Japaner – getroffen hatte, so ein lustiger Zufall. Und Lothar dürfte etwas über 70 gewesen sein und war unglaublich bepackt. Untergebracht war er in einem180cm hohem Zelt in dem er stehen konnte und das auch sein Rad beherbergte, inklusive Hocker fürs leichtere Aufstehen. Beeindruckend.
Nach den durchwachsenen Tagen in Riga hat übrigens der Sommer wieder angefangen. Und meine erste Nacht habe ich im Gauja Nationalpark (zwischen Sigulda und Cesis) verbracht. Da gibts tolle Lagerplätze mit Feuerstellen und Plumpsklo (Speerzone für mich, weil ich Wespennester an der Wand entdeckt habe). Roger – ein Niederländer mit selbstausgebautem Offroad Toyota- hat Lagerfeuer gemacht, mich auf ausgezeichnete Hühnerspieße und Drinks eingeladen und mir von Reiseabenteuern (vor allem Amsterdam – Capetown mit einem Defender) erzählt. So ein toller, inspirierender Abend! Mit etwas Kopfweh, vielen neuen Reiseideen und frischem Kaffee von Roger bin ich dann am nächsten Tag aufgebrochen. Über Cesis bin ich nach Limbazi, habe mich ausnahmsweise bei der Touriinfo über Campingplätze erkundigt und bin dann weiter in Richtung Salacgriva geradelt. Der mir empfohlene Campingplatz, war ein Apartmenthaus, das vermietet war – also nix mit campen. Die Besitzer haben mir aber einfach eine weitere Telefonnummer gegeben, dort habe ich angerufen, bin 500m weiter gefahren und so bei Inga gelandet. Inga vermietet ein paar schöne Zimmer in einem wunderschön renoviertem Haus mit (natürlich) einem wunderschönen Garten. Ich durfte mein Zelt an der Feuerstelle unter einem mehrere 100 Jahre altem Eichenbaum aufschlagen und habe geschlafen wie ein Baby. Inga war wahnsinnig herzlich und hat mich am nächsten Morgen zu Kaffee und Kuchen in ihre Küche eingeladen. Ich war ihr so dankbar für diese spontane Gastfreundschaft (ich bin ja doch recht spät und sehr überrumpelnd am Vorabend eingetroffen), wir haben uns irrsinnig gut unterhalten und ich habe einmal mehr viele über Lettland gelernt. Sehr spannend.
Thank you so much again Inga!

Ach ja – um noch ein paar der Bilder zu erklären: Die Strände sind wunderschön und einsam – sehr touristisch war bis Jurmala gar nichts. Zum Teil kann man am Strand  entlang radeln und Lottchen wollte das, also sind wir. Ich habe versucht ein Selbstauslöserfoto zu machen – naja.

Die Eva & die Flotte Lotte – auch wir freuen uns über digitale Post!

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2 thoughts on “Ab jetzt der Bonus-Track: >5000

  1. Croatian sunshine coming your way. Miss you on my travels. Sport, beach and probably cycling is way more fun with you. I wonder if they have tandems here :-)☀️☀️☀️

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  2. Digitale Post ist super, aber analoge Post ist noch viel besser. Danke nochmals für die nette Karte für unsere kleine Eva!
    PS: Super Fotos! Mehr Selbstauslöserversuche bitte!

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