Dziekuje Polska!

Ich versteh es nicht ganz. Irgendetwas Schlimmes muss ich angestellt haben. Dabei bin ich so brav: esse immer alles auf, schmeiße kein Essen weg und trotzdem war mir Petrus in den letzten Tagen alles andere als gnädig. Polen, ich glaub dir ja, dass Du schön bist – aber mir hast du dich vor allem von der nassen Seite gezeigt…. Aber von Anfang an. Ich habe also zwei feine Tage in Danzig (Gdansk) verbracht – bei zwei sehr lieben Warmshower Hosts: Magda und Kuba (thank you guys so much again). Sie sind zusammen vor einiger Zeit 13 Monate lang mit dem Fahrrad von Mexiko nach Süden gefahren. Es war super spannend ihnen zuzuhören und Erfahrungen auszutauschen. Sie waren es auch, die mir vom “green velo” Radweg erzählt haben und so habe ich mich schnell dazu entschlossen, das Russlandvisum zu vergessen und mich auf ein Abenteuer im Nordosten Polens einzulassen.

Aber zuerst zu Danzig. Die Stadt ist wunderschön wieder aufgebaut, ziemlich voll mit Norwegern und polnischen Touristen, bärtigen Hipsters und zu meiner Freunde einigen super netten Cafes und “polish draft beer” Bars. Am ersten Tag bin ich hauptsächlich herumgejagt auf der Suche nach Karten (erfolglos), aber am zweiten Tag, hab ich die Kaffees und das Bier genossen und mir auch das neue Museum zum 2. Weltkrieg gegeben. Das war eine Erfahrung. Ein spannender architektonischer Bau, voll mit Info. Gut gemacht, aber viel zu viel für mich. Nach über 3h war ich so k.o., dass ich aufgegeben habe. Ungefähr ein Drittel des Museums habe ich geschafft – dann wollte ich nur mehr raus.

Der erste Tag in Danzig war also trocken, aber danach hat es schon wieder angefangen zu regnen. Ich war noch guter Dinge – aber die Fahrt von Danzig nach Elblag war eine der Schlimmsten: 5h lang starker Regen und Wind, sodass ich irgendwann resignierend meinen Dad um eine Hotelbuchung in Elblag gebeten habe. Das war die Rettung. Zimmer mit Handtuchheizung im Bad, alles wurde trocken. Meine Regensachen haben mich nicht sehr beeindruckt – ich war “flotschnass”… Der nächste Tag war nicht viel besser und nachdem ich festgestellt habe, dass ich im Wald auf den erdigen/sandigen Wegen über vier Stunden für 40km gebraucht habe, habe ich green velo, green velo sein lassen und bin auf die Strasse ausgewichen. Naja. Dann war ich in Braniewo – nahe der Grenze zu Kaliningrad, habe ein super süßes Kaffee entdeckt und wollte eigentlich nur eine Pause einlegen. Doch ich bin entdeckt worden – von einem 68jährigen Deutschen (der mein Rad vor dem Café gesehen hat) und schon war ich in ein Gespräch verwickelt. Draußen hat es unaufhörlich geregnet. Lange Rede kurzer Sinn: er hat mir seine günstige Unterkunft gezeigt, ich hab ein Zimmer genommen, ihm Risotto gekocht und bin zwei Flaschen Rotwein später, ziemlich betrunken und eine Lebensgeschichte mehr, ins Bett gekrochen. Dieser Herr – Reinhard – fährt schon seit den 80ern mit dem Fahrrad auf Urlaub. Eine seiner ersten Reisen (mit seiner Exfrau) war nach Wien. Sie auf einem Dreigangrad. Unvorstellbar. Es war ein ausgesprochen feiner Abend.
Von Braniewo bin ich nach Bartoszyce – diesmal alles auf der Strasse, auch bei Regen. Hab mir wieder ein Zimmer genommen, den Preis ordentlich verhandelt und bin am nächsten Tag – trocken (!!) zu den nördlichsten masurischen Seen in der Nähe von Wegorzewo. Von dort – mit einigen Regenschauern weiter nach Stariczyki und hab zum ersten mal “wild” gecamped. Super wars. Und von dort bin ich heute – am Nachmittag wieder begleitet von Regenschauern – über Suwalki in die Nähe von Marijampole. Ganz unverhofft habe ich ein super nettes Camping gefunden und freu mich jetzt irrsinnig über den blauen Himmel in Litauen.

Vom Nordosten Polens ist mir vor allem eines geblieben: viele Wiesen, viel Getreide, Kühe, Schweine (dem Geruch nach), wenig befestigte Straßen – abseits der Hauptstraßen – und Störche. Ich habe noch nie so viele Störche in meinem Leben gesehen!!! Ein paar polnische Wörter haben meinen Wortschatz bereichert: Dzien dobry (Guten Tag), uwaga (Achtung – sehr hilfreich auf Radwegen), dziekuje (Danke), pokoje (Zimmer), lody (Eis), gofry (Waffeln – findet man überall). Damit habe ich es super durch Polen geschafft. “Green Velo” ist zu empfehlen – unglaublich wie gut die Wege ausgeschildert ist – man braucht praktisch keine Karte. Allerdings: wenn es sehr trocken ist, wird es mit viel Gepäck schwierig auf den sandigen Abschnitten – das selbe gilt bei so garstigem Wetter, wie ich es erlebt habe.

Eines meiner Highlights ist mir heute in Suwalki noch über den Weg gelaufen: Tom. Japaner – seit über zwei Jahren mit dem Rad von Shanghai unterwegs. Jetzt muss er Gas geben, weil sein Schengen Visum läuft ja in 90 Tagen aus. Also auf Volldampf durch die baltischen Staaten zum Nordkap und von dort nach Groß Britannien. Ich war beeindruckt. Und ihr werdet es nicht glauben: Tom fuhr ein Surley: einen Long Haul Trucker. Zum ersten Mal, dass ich jemanden mit meinem Rad gesehen habe- wir haben uns gegenseitig fotografiert:-)

image

 

Ach – und ganz wichtig – ich habe einen Namen für mein Radl. So vielen guten Input – es war nicht leicht:
FL (Flotte Lotte) aka RR (Rasante Rosinante) aka Poidine (von poids, franz. Gewicht) – kurz, das Lottchen!!!!

so long – Eure Eva

PS: Ich habe den Text ja schon gestern geschrieben. Heute monstermässiges Gewitter – also auch Litauen hat es in sich, dafür jetzt aber wolkenloser Himmel. Drückt mi die Daumen!

PPS: Für die Zahlenmenschen: Kilometerstand (inklusive heute): 4228,3 / Höhenmeter (da tut sich nicht mehr so viel): 38930

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One thought on “Dziekuje Polska!

  1. 🙂 fast dachte ich, das wäre ein Foto von mir, dann heißt der Typ auch noch Tom … Soo geil 😉 Keep up the spirit girl!!! Flotte Lotte ist ein irre guter Name. Mein Auto heißt wahrscheinlich Mr. Grey 😉 Bussi, Tommi

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